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Die Nation ist ein Konstrukt!
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Nationalismus und die heutigen Nationalstaaten sind relativ neuere Phänomene, die in den letzten 200 Jahren entstanden sind. Grosse wirtschaftliche Umwälzungen (z.B. Einsetzten der Industrialisierung), die Unzufriedenheit/Überwindung oder die fehlende Identifikation mit den herrschenden Monarchien (König = Nation) und der Zerfall von traditionellen Lebenszusammenhängen (Familie, Dorfgemeinschaft) sind die Voraussetzungen für Nationalismus und die Entstehung der modernen Nationalstaaten. 1)
Die Geschichte der Schweiz als Nationalstaat, dir mit der Einsetzung der Bundesverfassung von 1848 beginnt, ist demnach auch ein junges Konstrukt, das im Zuge der Nationalstaatenbildung des übrigen Europas entstand.
Wenn heute 1291 als "Gründungsjahr" der Schweiz verstanden und gefeiert wird, ist das schlichtweg falsch. Der Vertrag von 1291 wurde erst im 18. Jahrhundert wieder entdeckt. Er war ein temporäres Zweckbündnis der drei Innerschweizer Orte. Damit wurde die gegenseitige Hilfestellung zugesichert, ein Nichtangriffsbündnis und gewisse Strafmassnahmen beschlossen. In dieser Landfriedensordnung von 1291 werden weder die drei Eidgenossen, noch das Rütli erwähnt, und sie darf auch nicht als Grundlage zur Entstehung des heutigen Nationalstaates verstanden werden.
Wie kam es also zum Mythos rund um 1291?
Das Dokument der Landfriedensordnung von 1291 tauchte 1760 wieder auf. Ihm wurde aber weiterhin keine besondere Bedeutung zugemessen. Nach der Nationalstaatsgründung von 1848 beschloss der Bundesrat um 1890, den 1. August 1291 als offizielles Gründungsdatum für die schweizerische Nation festzulegen. Er wurde erstmals 1891 (600 Jahre später) im Kanton Schwyz und Zürich gefeiert - dies übrigens gegen den Willen der damaligen Bevölkerung.
Der Winterthurer Landbote von damals schrieb, dass im Gemüht und Bewusstsein des damaligen Schweizervolkes das Datum des 1. August 1291 als Gründungstag der schweizerischen Eidgenossenschaft nicht lebe, es müsste durch die in Aussicht genommene Feier erst künstlich in dasselbe hineingetragen werden.
Weshalb wird heute noch 1291 als Gründungsjahr gefeiert, obwohl die Schweiz als Nationalstaat erst seit 1848 besteht?
Durch das Feiern eines Gründungsmythos wird die nationale Identität gefestigt und somit der Nationalstaat legitimiert. Das möglichst frühe Datieren eines solchen Ereignisses legt einem nahe, dass SchweizerInnen gemeinsame Wurzeln und eine, seit jahrhunderten, gemeinsame Geschichte besitzen würden.
Das erweckt den Eindruck, als würde der Staat Schweiz seit hunderten von Jahren existieren und sei seither natürlich gewachsen. "Uns" wird dadurch eine kollektive, nationale Identität anerzogen/aufgezwungen, die im Bewusstsein der BürgerInnen notwendig ist, um den Nationalstaat aufrechtzuerhalten. Schon als Kind wird "uns" zuhause und/oder in der Schule gelehrt, dass "wir" stolz sein können Schweizer-BürgerInnen zu sein. Es werden Normen und Werte kritiklos und durchwegs positiv vermittelt, welche schon über Jahre unser "Volk" ausmachen sollen. Auch werden "uns" Eigenschaften zugeschrieben, die typisch schweizerisch sein sollen, wie z.B. Pünktlichkeit, Genauigkeit, Fleiss…
Wieso braucht es eine Nationale Identität?
Das nationale Bewusstsein verbindet den einzelnen Menschen mit dem Staat. Es ist ebenfalls Vorraussetzung dafür, dass Menschen eine staatliche Herrschaft anerkennen. Der moderne bürgerliche Nationalstaat gilt als Garant für die Errungenschaften der Französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Solidarität) und als gerechteste Form der Herrschaft (Volksherrschaft). In der Realität schafft der Staat jedoch nur den Rahmen um die Konkurrenzverhältnisse, die in diesem kapitalistischen System bestehen, zu reglementieren. Freiheit wird zur Farce, wenn ArbeiterInnen die "Freiheit" besitzen, zu entscheiden, von welchem Chef sie sich ausbeuten lassen wollen. Gleichheit ist ein Witz, wenn der Millionär das Recht hat unter Brücken zu schlafen und der Penner sich eine Villa kaufen kann.
Und Solidarität, die an den nationalen Grenzen halt macht, ist nicht viel wert.
Feiern eines 1. Augusts, Sportanlässe wie eine Fussball-EM, wo "Nationen" gegeneinander kämpfen, Symbole (wie Fahnen usw.) und nationalistische Lieder sorgen dafür, dass sich die Bevölkerung, über alle bestehenden Unterschiede hinweg, positiv auf "ihre" Nation bezieht, sich zugehörig fühlt und sich mit "ihrem" Staat identifizieren kann.
Mit diesem geschaffenen, gemeinsamen Bewusstsein lässt sich vieles erklären und durchsetzen.
Wer profitiert davon, wenn sich die unterschiedlichsten Menschen auf eine gemeinsame Nation beziehen?
Sozialabbau lässt sich damit begründen, dass "ohne den Gürtel enger zu schnallen" der Wirtschaftsstandort Schweiz gefährdet sei. So genannte nationale Interessen werden angeführt, um allgemeine Militärpflicht, Infrastrukturprojekte (Atomkraftwerke…), Überwachungsstaat und wirtschaftliche Grossanlässe (WEF, G8…) zu legitimieren. Wessen Interessen hier bestehen und wer in Wirklichkeit den Gürtel enger schnallen muss, wird tunlichst verschwiegen. Nationale Interessen sind in Wirklichkeit nichts anderes, als das Interesse des Staates und der Wirtschaft, um ihre Herrschaft zu erhalten und optimale Rahmenbedingungen zu schaffen (möglichst wenig Sozialabgaben, Steuervorteile für Konzerne, Privatisierung, billige Arbeitskräfte, usw.).
Nationale Interessen existieren nicht, da sich die Interessen von MachthaberInnen und Bevölkerung, WirtschaftsführerInnen und ArbeitnehmerInnen, WohneigentümerInnen und MieterInnen usw. grundsätzlich unterscheiden.
Die gravierensten Auswirkungen eines Nationalbewusstseins zeigen sich jedoch im Umgang mit so genannten AusländerInnen.
Nationalismus grenzt aus!
In wirtschaftlichen Krisenzeiten lässt es sich mit fremdenfeindlichen, auf den Nationalstolz der Bevölkerung abzielenden Parolen WählerInnenstimmen machen. Dann sind so genannte AusländerInnen schuld daran, dass SchweizerInnen keine Arbeit finden. "Asyl- und SozialschmarozerInnen" sollen dafür verantwortlich sein, dass es der schweizerischen Wirtschaft schlecht geht. Diese zusätzliche Konkurrenz zwischen so genannt in- und ausländischen ArbeiterInnen und MieterInnen nützt schlussendlich nur dem kapitalistischen Wirtschaftssystem. WirtschaftsführerInnen und WohneigentümerInnen wollen schlussendlich nur die billigsten und besten Arbeitskräfte und die zahlungskräftigsten MieterInnen und machen kaum "nationale" Unterscheidungen.
Dadurch, dass sich Menschen einer Nation anderen überlegen und zum eigenen Land zugehörig fühlen, ist es möglich einen gemeinsamen Feind und ein Ziehen am gleichen Strang zu suggerieren. Dies hat zur Folge, dass ArbeiterInnen ihre Wut nicht auf den zunehmenden Arbeits- und Verwertungsdruck, sondern auf Menschen, die noch schlechter gestellt sind als sie, projizieren. Sie geben den AusländerInnen die Schuld für steigende Arbeitslosigkeit und fehlenden, bezahlbaren Wohnraum und kommen nicht auf die Idee, das kapitalistische Wirtschaftssystem und die Profiteure des eigenen Landes dafür verantwortlich zu machen.
Besitzen nicht ausländische und schweizerische BauarbeiterInnen untereinander mehr Gemeinsamkeiten als mit dem Chef des riesigen Baukonzerns? Hat der Kleinbauer aus dem Kanton Uri wohl nicht mehr Gemeinsamkeiten mit BäuerInnen aus Indien oder Mexiko als mit dem Industriellen oder Politiker von der Goldküste?
Wo bleibt dann die Heimat?
Durch Aufzeigen von Unterschieden zwischen BürgerInnen des gleichen Staats und Gemeinsamkeiten mit BürgerInnen aus anderen Staaten kann die Idee der nationalen Identität entlarvt und der Nationalstaat versenkt werden.
Somit gilt es den Heimatbegriff vom Begriff des Staates und der Nation zu lösen. Heimat hat was mit solidarischen Beziehungen, sich Wohlfühlen und Überschaubarkeit zu tun. Es braucht dafür keine Überheblichkeit und kein Wille zur Macht über andere. Heimat kennt keine Grenzen.
Staat und Kapitalismus als Herrschaftssysteme und Nationalismus als ideologischer Kitt zu deren Aufrechterhaltung, stehen den Forderungen der Französischen Revolution nach Freiheit, Gleichheit und Solidarität grundsätzlich im Wege.
Um eine wirklich gerechte, freie und solidarische Gesellschaft zu erreichen, muss der Staat und der Glauben an die Nation überwunden werden.
Kein Mensch ist illegal
Mythen entlarven
Grenzenlose Solidarität statt nationale Identität
Für eine Welt ohne Grenzen
Kapitalismus versenken
Die Schweiz in den Vierwaldstättersee
Arbeitsgruppe Nationalismus
1)Nationalismus wird gemeinhin als ideologische Bewegung verstanden, die versucht Individuen und Gruppen mit je verschiedenen Interessen in ein politisches System einzubinden.
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