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Teure Markenprodukte - Made in Sweatshops
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35 Cents die Stunde, ein Arbeitstag von 12 oder mehr Stunden und eine Arbeitswoche von bis zu 7 Tagen; dazu das Ganze im Akkord (wer sein Limit nicht erreicht, darf nach Feierabend weiterarbeiten), Überstunden, die nicht bezahlt werden - das ist der Arbeitsalltag für die Näherinnen in den Fabriken.
Auf der anderen Seite: Konzerne mit Gewinnen in Milliardenhöhe, die Unsummen für die Bewerbung ihres Produktes, ja des angeblich im Produkt verkörperten Lifestyles, ausgeben; die sich als menschheitsliebend und umweltfreundlich verkaufen.
Jeder weiß, was ein Sweater ist - ein Pulli, Pullover, ... Sweater bedeutet im Englischen auch Leuteschinder. Damit sind wir auch beim "Sweatshop". To sweat = schwitzen, to be sweated = für einen Hungerlohn arbeiten.
Sweatshop (= Schwitzbude) wurde zu einem Synonym für Überausbeutung, Hungerlöhne, usw. der Beschäftigten v.a. in den halb-kolonialen Ländern. Viele Autoren und Autorinnen wie Naomi Klein im Buch No Logo oder Klaus Werner und Hans Weiss im Schwarzbuch Markenfirmen haben die Arbeitsbedingungen, lange Arbeitszeiten, fehlende Hygiene, schlechte Belüftung, Hungerlöhne, Gewalt gegen Beschäftigte (v.a. Frauen), Kinderarbeit eindrucksvoll beschrieben.
Unternehmen wie Nike agieren nicht als Eigentümer der produzierenden Unternehmen (der eigentlichen Sweatshops), sondern als deren Monopolabnehmer. Damit sind Nike, Adidas usw. auch fein raus - schließlich sind die ArbeiterInnen ja nicht bei ihnen beschäftigt. Hinzu kommt, dass die Geschäftsverbindungen zwischen Nike und anderen schwer aufdeckbar sind und ein gut gehütetes Betriebsgeheimnis darstellen.
Ein neuer Sportschuh von Adidas, Nike oder Reebok kostet über 100 Euro. Davon erhält die Herstellerfirma im Schnitt 12%, mit denen sie die gesamten Herstellungskosten begleicht. Die Näherin selbst bekommt im Schnitt etwa 0,4% des gesamten Verkaufspreises oder 40 Cents. Die übrigen fast 90% behalten sich die Markenfirmen ein (oder geben bestenfalls einen kleinen Brocken an einen Zwischenhändler ab). Allein aus dieser Rechnung wird bereits klar, dass die Markenfirmen selbst Verantwortung für die Arbeitsbedingungen tragen.
Codes of Conduct
Seit Jahren fordern Kampagnen gegen Sweatshops einen sogenannten "Codes of Conduct" - eine Art Verhaltensnorm - und eine unabhängige Kontrolle der Einhaltung dieser Regeln. Manche große Markenfirmen fürchteten angesichts der in der westlichen Öffentlichkeit bekannter werdenden Missstände wie Kinderarbeit, Verfolgung von unabhängigen Gewerkschaften oder Bezahlung unterhalb des jeweiligen nationalen Mindestlohnes um ihr Image in Sachen Menschlichkeit und Lifestyle. Also verfassten sie ihre eigenen Codes of Conduct und schickten sie ihren jeweiligen Herstellerfirmen, wo sie in jenen Räume aufgehängt wurden, zu denen die Beschäftigten keinen Zugang hatten.
Während sie plakativ auf den diversen Homepages und sonstigen Werbeseiten beworben wurden, sind sie oft nicht das Papier oder den Webspace wert, auf dem sie stehen. Denn was auf dem Papier oder am Bildschirm gut klingt, wird bedeutungslos, wenn es keine Instanz gibt, die die Umsetzung überprüft.
Hier waren die Konzerne findig: Einerseits organisieren sie ihre eigenen Kontrollen und stellten so sicher, dass Missstände vertuscht werden, andererseits halten sie Berichte zurück, die Missstände aufdecken könnten. Was sie aber nicht einmal in ihr Lippenbekenntnis aufnehmen wollen und wollten, ist die Anerkennung von unabhängigen Gewerkschaften oder von Betriebsräten. Das Schreckgespenst einer gewerkschaftlichen Organisation jagt ihnen zu Recht Angst ein. Denn in den letzten Jahren konnten in einigen Betrieben unabhängige Gewerkschaften durchgesetzt werden und das Management musste einen Teil seiner Angriffe zurücknehmen und den Beschäftigten etwas verbesserte Arbeitsbedingungen zugestehen. Da kommt solchen Konzernen ein Land wie China entgegen, wo Gewerkschaften ohnedies verboten sind.
Reine Augenauswischerei
Immer wieder haben wir bei Aktionen gegen den SklavInnenarbeit bei Nike das Argument gehört, dass diese Firmen doch schon einiges getan hätten, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Die Codes of Conduct haben also ihre Wirkung nicht verfehlt; sie haben das Gewissen der KonsumentInnen beruhigt.
Die Wirklichkeit sieht anders aus, wie Junya Yimprasert, die thailändische Menschenrechtskoordinatorin feststellt, …die meisten Verbesserungen, die in den Codes der Konzerne gefordert werden, müssen die Zulieferfirmen selbst tragen. Nun sagen die Unternehmer, dass die Arbeiter noch härter arbeiten müssen, um die Kosten dafür wieder reinzukriegen …" Wenn eine Betriebsstätte zu teuer wird, weichen die Konzerne auf billigere Standorte aus "von Thailand nach China, von China nach Vietnam". Eine direkte Folge der fehlenden Kontrolle der Umsetzung durch Gewerkschaften und AktivistInnen gegen Sweatshops. Jetzt wird auch klar, warum gerade der Punkt der gewerkschaftlichen Organisierung jener ist, zu dem die Konzerne nicht einmal ein Lippenbekenntnis abgeben wollen.
Da die Löhne so niedrig angesetzt sind, können sich Familien oft nicht leisten, ihre Kinder in die Schule zu schicken und sind sogar auf ein zusätzliches Einkommen, das der Kinder, angewiesen. Wird nun Kinderarbeit in einem Betrieb bekannt, so drängen die Markenfirmen, sie einfach zu entlassen und sich so aus der Verantwortung zu stehlen, die Kinder durch Finanzierung von deren Ausbildung für die verlorenen Kinderjahre zu entschädigen; während sie gleichzeitig die Familie in eine noch prekärere Lage bringen, da die Löhne dadurch ja noch um keinen Cent gestiegen sind.
Während sich die Konzerne der Textilmarkenfirmen in den USA oder in Europa großzügig geben und diverse SportlerInnen und Sportveranstaltungen finanzieren, wird mit den Herstellerfirmen um jeden Cent gefeilscht. Eine Lohnerhöhung etwa um monatlich € 11 für die rund 150.000 Beschäftigten in der Textilindustrie Indonesiens würde bereits ein menschenwürdiges Leben und den Schulbesuch für die Kinder ermöglichen. Die Herstellungskosten für den Sportschuh würden dadurch um bloß 36 Cent steigen!
Die Beschäftigten in diversen Betrieben weltweit organisieren sich trotz massiver Repression immer wieder und kämpfen für die Etablierung von Gewerkschaften. Ein Boykott der Produkte würde ihren Kampf untergraben, da er einfach zur Schließung einzelner Betriebe und damit direkt in die Arbeitslosigkeit führen würde.
Unterstützen wir ihren Kampf! Mach mit bei unseren Aktionen!
* Keine Kinderarbeit!
* Für einen Mindestlohn, der zu einem menschenwürdigen Leben reicht!
* Keine Entlassung von ArbeiterInnen, die sich gewerkschaftlich organisieren!
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Nike
Mit einem Umsatz von € 9,5 Mrd. ist Nike Weltmarktführer unter den Sportartikelmarken. Den Geschäftsführer Phil Knight hat dies zum Dollarmilliardär gemacht, während etwa eine Näherin im Zulieferbetrieb "Wellco" in China 17 Cent die Stunde erhält.
Als Nummer Eins in seinem Sektor ist Nike zu einem der Hauptgegner der diversen Kampagnen gegen Sweatshops geworden. Aus Angst vor dem Verlust seines mit Millionen und mehr Dollars aufrechterhaltenen Images sah sich Nike gezwungen, Verbesserungen anzuleiern. Dass dies oft erst durch erbitterten Kampf der Beschäftigten und eine internationale Solidaritätskampagne durchgesetzt wurde, zeigt die mexikanische Fabrik "Kukdong": Der Versuch, sich gegen illegale Massenkündigungen zur Wehr zu setzen, führte zum Streik und zum Versuch, eine unabhängige Gewerkschaft zu gründen. Aktivisten und sympathisierende Beschäftigte wurden von der gelben, vom Unternehmen eingesetzten Gewerkschaft zusammengeschlagen, um sie einzuschüchtern. Es gelang jedoch nicht, den Protest zu unterdrücken. Die Kündigungen mussten zurückgenommen und die unabhängige Gewerkschaft zugelassen werden.
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Reebok: Heuchler Nummer Eins
Gerne sieht sich Reebok als ethische Alternative zu Nike Die alljährliche Vergabe eines Preises für Menschenrechte in Sachen Engagement gegen Kinderarbeit und repressive Regimes soll dies belegen.
Die Realität in den Herstellerbetrieben zeigt ein anderes Bild: Nicht nur dass man oft die gleichen Betriebe wie Nike einsetzt und etwa fern der Heimat die Beschäftigten der indonesischen Zulieferfirma Tong Yang mit 26 Cents die Stunde abgespeist werden. Haben die Beschäftigten nach langen Kämpfen höhere Löhne und die Anerkennung der Gewerkschaften durchgesetzt - wie etwa in Taiwan oder Südkorea - , zieht sich dieser heuchelnde Konzern in billigere Länder zurück.
Diese Konzernpolitik macht auch nicht vor den Toren imperialistischer Länder halt: In einer Fabrik in Los Angeles etwa werden die vornehmlich lateinamerikanischen Immigrantinnen unter dem Mindestlohn bezahlt, Überstunden gar nicht entlohnt, dafür sind eine täglich Arbeitszeit von 14 Stunden und Einschüchterungen sowie Belästigungen Alltag. Wer offen über solche "Sweatshop-Verhältnisse" spricht, wird gekündigt!
Dass 2000 bekannt wurde, dass sie ein Werbevideo für unseren Jörgl unterstützt haben, ging diesen Menschrechtsfreunden dann doch zu weit: Man will ja schließlich seinen guten Ruf nicht verlieren! Dafür sorgt ja ansonsten eine Klausel in den Verträgen der Angestellten einschließlich der Sporttrainer, dass es verboten ist, "durch Äußerungen den Ruf von Reebok und Reebok-Produkten" zu schädigen.
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Näherin - ein Frauenberuf!
Die Mehrzahl der Beschäftigten sind Frauen. Oft kommen sie vom Land in die Städte, werden dort von den Firmen rekrutiert und leben und schlafen dann oft in der Fabrik. Zusammengepfercht in kleinsten Räumen müssen sie für diese Unterkunft natürlich auch zahlen. Oft sind Fabriken wie Gefängnisse gebaut mit vergitterten Fenstern und Notausgängen, die immer versperrt sind. Bricht ein Brand aus, so bliebt oft nur die Wahl zwischen einem teils tödlichen Sprung aus einem der oberen Stockwerke oder dem Verbrennen im Gebäude.
In Indonesien haben Frauen laut Gesetz das Recht, zwei Tage von der Arbeit fern zu bleiben, wenn sie die Regel haben. Real nehmen das die meisten Frauen nicht in Anspruch, da sie sich etwa die Unterhose ausziehen müssen, um die Blutung zu beweisen. Da sich jedoch viele Frauen weder Hygieneartikel noch Schmerzmittel leisten können, tragen sie dunkle Unterwäsche und lange Blusen, um die Blutungen zu verbergen.
Auch sonst sind Schikanen an der Tagesordnung. Mehr als ein- oder zweimal täglich ist Austreten etwa im Betrieb Formosa in El Salvador nicht erlaubt und beim Verlassen der Fabrik müssen die Frauen entwürdigende Untersuchungen über sich ergehen lassen. Soll eine Frau nach der Probezeit angestellt werden, muss sie selbst einen Schwangerschaftstest bezahlen. Ist sie schwanger so fliegt sie.
Informationen unter:
www.corpwatch.org
www.sweatshopwatch.org
www.cleanclothes.org
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