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Warum Antifaschismus sich nicht ausschliesslich gegen Nazis richten kann.
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Die prügelnden Strassennazis sind nur der Ausdruck weit tiefer verwurzelter faschistischer Strukturen in unserer Gesellschaft. Natürlich muss mensch auch direkt auf diese Nazis reagieren, jedoch sollten nicht nur die Auswüchse gebremst, sondern das Problem an der Wurzel gepackt werden. So müssen wir faschistische Mechanismen in unserem täglichen Leben aufdecken, durchbrechen und eliminieren. Denn diese bilden den Nährboden, auf welchem unbeachtet neue Nazis entstehen. Jene Mechanismen bleiben unbemerkt, da sie uns seit unserer Geburt aufgezwungen werden und deshalb als normal empfunden werden. Dieser "Rechtsrutsch" wird hingenommen, ohne hinterfragt zu werden.
Damit die ProfiteurInnen dieses Systems ihre Macht nicht ungehindert weiter entfalten können, müssen sich AntifaschistInnen mit Themen wie Kapitalismus, Medien, Sexismus, Religion und Staat auseinandersetzen.
Kapitalismus und das Recht des Stärkeren
Wie beim Faschismus gilt auch beim Kapitalismus das Recht des Stärkeren. Kapitalismus basiert darauf, dass Geld vorhanden und ungleichmässig verteilt ist. Damit gibt es manche, die Geld besitzen und viele, die es nicht haben. Es entsteht ein Gefälle, bei dem wenige oben und alle andern unten stehen. Um in diesem System zu überleben, sind wir abhängig von denen, die oben sind. Diese besitzen unsere Arbeitsstelle, unser Haus und die Produkte, die wir benötigen oder von denen wir glauben, sie zu benötigen.
Um die Arbeitnehmenden bei Laune zu halten, wurden ins Gefälle Stufen eingebaut, zu welchen mensch sich (nach unten tretend und nach oben gehorsam) hocharbeiten kann. Dadurch wird die Illusion verbreitet, dass jedeR - ist sie/er nur fleissig und angepasst - einmal die Treppe ganz nach oben steigen kann, dass Armut also selbst verschuldet sei. So wird eine Gesellschaft geformt, in der sich all jene, welche sich auf dem Weg nach oben befinden, gegenseitig unbewusst bekämpfen. Dadurch werden alle, die unter der eigenen Position stehen, als Verlierer angesehen und ausgegrenzt. Die ArbeitnehmerInnen wehren sich nicht gegen ihre Ausbeutung, weil sie dadurch noch mehr ausgegrenzt und nicht mehr dem gutbürgerlichen Bild entsprechen würden. Mensch vergleiche diese Gesellschaftskontrolle mit den Ausgrenzungsmechanismen in Deutschland während der Naziherrschaft.
Der Konsum schmiert das System
Des weiteren funktioniert dieses System nur, solange konsumiert wird. Die Mächtigen sind von uns abhängig. Da uns die Massenmedien einreden, dass wir konsumieren müssen - Markenkleider, das neuste Handy oder andere Statussymbole -, um die Treppe empor steigen zu können, realisieren wir unsere Macht nicht.
Unabhängige Massenmedien gibt es nicht
Die Massenmedien sind hierarchisch nach kapitalistischem Muster organisiert. Wissen ist Macht, deshalb will sich mensch informieren. Die Massenmedien geben uns aber eine zensierte Realität vor. Wir haben die Illusion zu wissen, was geschieht, frei unsere Meinung bilden zu können und selbstbestimmt zu leben. Doch die Massenmedien sind, um die Auflage zu erhalten, von den Unternehmen mit ihren Inseraten abhängig. Darum dürfen Medien die Unternehmen nur in dem Masse kritisieren, dass deren Position nicht gefährdet wird.
Das heisst, sie sind zwar fähig, Einzelpersonen oder Gruppen zu schädigen, aber eine Kritik an den Grundstrukturen der Unternehmen und der Staaten ist nicht möglich. Die Kritik dient ausschliesslich dazu, die Glaubwürdigkeit des Massenmediums bei der Konsumentin/beim Konsumenten zu erhalten. So werden wir zu Kritiklosen erzogen. Nach Abwägung der uns zur Verfügung stehenden Informationen entscheiden wir uns zu unserer Lebensgestaltung, wir selbst wählen scheinbar unseren Alltag. Da uns jedoch Informationen vorenthalten werden, entschliessen wir uns, wie es die Mächtigen von uns erwarten.
Zu diesen Erwartungen gehört auch ein Menschenbild, welches klare Normen für Frau und Mann vorsieht. Durch die Massenmedien kann dieses leicht, unauffällig und grossflächig verbreitet werden. Die ständige Berieselung führt zur Internalisierung (zur unbewussten Verinnerlichung) dieses Bildes und zur Gleichgültigkeit.
Sexismus ist im System - Sexismus hat System
Im Sexismus vereinen sich viele faschistische Gedanken, denn er grenzt ganze Bevölkerungsteile aus (oft sogar die Mehrheit) und bezeichnet diese als minderwertig. Mit der Rollenzuteilung von aktiv und passiv, von stark und schwach, die uns ein Leben lang anerzogen wird, entsteht die Rollenverteilung an die Geschlechter. Dies führt dazu, dass bestimmte Verhaltensformen gefordert werden.
In der heutigen Gesellschaft wird die dem Mann zugeteilte Rolle als höherwertig angesehen und dadurch die Frau diskriminiert. In der kapitalistischen Arbeitswelt führt das dazu, das Frauen vielfach schlechter bezahlte Jobs erhalten und zudem für gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden. So erfüllen sie ihre Rolle, da der Mann der besser Verdienende ist und somit als der Stärkere gilt. Zudem kommt auch hier wieder die Gesellschaftskontrolle zum Zug, die uns in unserer Freiheit beschränkt, indem sie "abnormes" Verhalten sanktioniert. So wird eine Frau mit Kindern, die arbeitet, als Rabenmutter beschimpft und ein Mann, der sich nicht aufspielt, gilt als schwach. Im Gegenzug dazu wird systemkonformes Verhalten belohnt, durch Akzeptanz, Respekt und Integration. Es wird mit der Angst vor Ausgrenzung gespielt. Dadurch erhält der Sexismus sehr grosse Akzeptanz und gilt als erstrebenswert, weil mit ihm ein Machtgefühl verbunden ist, das durch den Rückhalt der Gruppe erzeugt wird. Deshalb wird er oft verharmlost und tritt in weniger schnell erkennbarer Form auf.
Dafür lassen sich viele Beispiele finden: So werden Opfer von sexistischen Attacken oft als humorlos bezeichnet. Sätze wie "ich schlage keine Frauen" wirken auf den ersten Blick respektvoll, sind jedoch bei näherem Hinsehen nichts anderes als eine Erniedrigung. Da unser System sich in einer patriarchalen Kultur entwickelte, sichert ein traditioneller Sexismus auch dessen Fortbestehen.
Unser geschlechterrollenkonformes Verhalten ermöglicht eine weitere Stufe im Machtgefälle. So werden weitere Ungerechtigkeiten erduldet. Das System wird zu einem grossen Teil vom Sexismus getragen und profitiert davon.
Kontrolle durch Religionen
In den verschiedensten Religionen wird den Menschen ein Gesellschafts-, Menschen- und Geschlechterbild vermittelt. Moralvorstellungen, die unser Zusammenleben steuern sollen, sind Relikte aus früheren Zeiten, als die Kirchen noch die einzige Instanz war. Sie überdauern bis in die heutige Zeit. All diese Normen sind gefährlich, wenn sie unüberlegt gelebt werden, denn sie sanktionieren eigenständiges Denken und grenzen "sich abweichend oder anders Verhaltende" aus.
Durch den hierarchischen Aufbau können die höher Positionierten unsere Ängste und Sorgen dazu benutzen, uns zu kontrollieren. Sie versprechen uns bessere Lebensqualität, geben uns Lösungen in Form von Verhaltensregeln und/oder vertrösten uns auf nach dem Tode. So erreichen sie treue Anhängerschaft, ein Abhängigkeitsverhältnis und Kritiklosigkeit. Im Blick auf (teilweise nur subjektiv empfundene) schlimme Lebensumstände wird verständlich, wieso manche Menschen sich fundamentalistischen Gruppen (z.B. Sekten) anschliessen. Die Anführer jener Gruppierungen (seien diese nun weltlich oder geistlich) verblenden ihre Anhängerschaft und führen unter dem Deckmantel religiöser und nationalistischer Parolen Kriege zu wirtschaftlichen und/oder machtpolitischen Zwecken.
Politikerwahl - keine echten Alternativen
Ähnlich wie bei den Medien gibt es auch beim Staatssystem die Illusion, dass wir wählen könnten zwischen einem linken und rechten Weg. Aber wir können nur diese Menschen wählen, welche eine in der breiten Öffentlichkeit anerkannte Position erreichen. Dazu ist viel Geld für die Wahlkampagne nötig und die Medien müssen mitspielen. Der/die KandidatIn kann also nur über den kapitalistischen Weg gewählt werden, deshalb unterstützt sie/er den Kapitalismus und erhält ihn aufrecht.
Weiter werden nur jene von der Öffentlichkeit respektiert, welche mit ihren Ideen das Grundgerüst dieses Staats nicht angreifen, nicht gefährden. Wirklich systemkritische Ideen werden ignoriert, belächelt oder kriminalisiert. Sogenannte linke wie auch rechte ParlamentarierInnen arbeiten mit denselben Mitteln. Da sie dadurch das Staatssystem stützen, führen ihre Aktivitäten zu einem Ergebnis innerhalb des vorgegebenen Rahmens.
Beispiel Ausschaffungen
Ein deutliches Beispiel sind Ausschaffungen, die sogenannt Linken stimmen diesen stillschweigend zu. Obwohl es jedem linken Denken widersprechen muss, Menschen, die aus verschiedensten Gründen sicherere Lebensumstände suchen und teilweise seit Jahren ein soziales Netz aufgebaut haben, in eine sogenannte Heimat, in welcher ihnen Hunger, Verfolgung und/oder sonstige Repression droht, abzuschieben. Dies geschieht um sicherzustellen, dass Gruppen, welche das System gefährden könnten, dies nicht tun. Durch das Einsetzen von Polizei-/Militärgewalt werden sie als böse, gewalttätig und/oder nicht ernstzunehmen dargestellt. Dies soll eventuelle SympathisantInnen abschrecken und dafür sorgen, dass ihre politischen Überzeugungen im Lärm um ihre Gefährlichkeit für die allgemeine Sicherheit untergehen. Das wiederum wird von "linken" und rechten Parlamentariern unterstützt oder akzeptiert.
Es ist immer wieder zu sagen, dass uns die genannten Strukturen, Mechanismen und Systeme zu blindem Gehorsam erziehen - dem widersetzen wir uns! In diesem Sinne sind auch dieser und die nachfolgenden Texte bloss Anstösse. Diese und viele andere (hier nicht erwähnte) Gründe sprechen für Antifaschismus.
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